Von 4.-7. Februar 2027 werden in Innsbruck/Igls erstmals in der Geschichte in beiden Sparten des Rodelsports zeitgleich und am selben Ort WM-Medaillen vergeben. Als benachbarte Bühnen dienen der modifizierte Igler Olympiaeiskanal und die neu geschaffene Alpin Rodelbahn am Hang Richtung Heiligwasser. An drei Renntagen stehen am Fuße des Patscherkofels nicht weniger als elf Medaillenentscheidungen auf dem Programm. Drei Monate vor der historischen Doppel-Weltmeisterschaft gaben Gesprächspartner:innen aus dem Sport, der Politik und Wirtschaft im Rahmen einer Pressekonferenz von Rodel Austria Einblicke in die finale Vorbereitung, sprachen über Erwartungen und Ziele.
PURE VORFREUDE
Wolfgang Kindl weiß, wie sich WM-Siege vor heimischem Publikum anfühlen. Der Tiroler gewann 2017 bei der letzten Weltmeisterschaft in Innsbruck/Igls im Einsitzer und im Sprint die Goldmedaille. In diesem Winter startet der vielseitige Routinier in seine mittlerweile 20. Weltcupsaison, wobei der Natterer seit drei Jahren auch im Doppelsitzer gemeinsam mit Thomas Steu für Furore sorgt. 2026 gewann das Duo in Cortina in der Einzeldisziplin und mit der Mannschaft Olympiasilber. Bereits 2022 hatte Kindl in Peking über Olympiasilber mit dem Team und im Einsitzer gejubelt. Sofern qualifiziert, könnte der mittlerweile 38-Jährige bei seiner dritten Heim-WM in fünf Medaillenentscheidungen antreten.
„Es könnte wieder einiges auf mich zu kommen, aber das wäre für mich kein Neuland, da ich das dichte Programm mittlerweile aus dem Weltcup gewohnt bin“, so Kindl, der ob seines möglichen Mammutprogrammes neben der Leidenschaft für den Sport und seiner Routine vor allem die richtige Gewichtung im Training in den Vordergrund rückt. „Ich setze in der Vorbereitung mehr auf Qualität als auf Quantität, bin nach wie vor sehr ehrgeizig und zielorientiert“, so der zweifache Familienvater, der den Fokus bei den Titelkämpfen auf seiner Heimbahn vor allem auf die Einzeldisziplinen legt. „Daheim eine WM zu gewinnen ist unglaublich. Ich weiß was mich erwartet, der Hunger und die Motivation sind nach wie vor riesig.“
Auch für Alpin-Ass Riccarda Ruetz, die in der Vorsaison im Gesamtweltcup triumphiert hat und 2025 im Kühtai zu WM-Silber gerodelt war, hat die historische Doppel-WM im kommenden Februar einen ganz speziellen Stellenwert. „Ich bin sehr happy! Eine Heim-WM folgt der nächste, noch dazu eine Doppel-WM, das spornt mich zusätzlich an. Ich hoffe auf viele Zuschauer und möchte unbedingt meine beste Leistung abrufen“, so die 22-jährige aus Sellrain, die die WM-Strecke, die Anfang Dezember homologiert wird, bereits während der Bauphase inspiziert hat. „Der obere Teil ist praktisch fertig, unten fehlt auch nicht mehr sehr viel. Sobald die Bretterwände stehen, kann man die Charakteristik beurteilen. Ich glaube, dass es eine coole Bahn wird und hoffe natürlich, dass sie mir liegt.“
BEGEISTERUNG WECKEN UND PROFITIEREN
Tirols Sportreferent LHStv. Philip Wohlgemuth erhofft sich von der Doppel-WM sportlichen Erfolg, anhaltende Begeisterung und Profit für die gesamte Region. „Dass die erste gemeinsame Weltmeisterschaft im Kunstbahn- und Naturbahnrodeln bei uns in Tirol stattfindet, ist etwas Besonderes. Wir haben in beiden Disziplinen eine große Tradition und erfolgreiche Athletinnen und Athleten. Gerade das Alpin Rodeln bekommt damit die internationale Aufmerksamkeit, die es verdient“, betonte Wohlgemuth und ergänzte: „Ich freue mich auf spannende Wettkämpfe, hoffentlich viele heimische Medaillen und vor allem darauf, dass wir mit dieser Weltmeisterschaft auch über die Wettkampftage hinaus Begeisterung für den Rodelsport wecken. Davon profitieren unsere Vereine, der Nachwuchs und die gesamte Region.“Auch Innsbrucks Bürgermeister Johanns Anzengruber hob die Nachhaltigkeit und den langfristigen Gewinn für die Bevölkerung und Gäste hervor. „Mit der Weltmeisterschaft schaffen wir einen nachhaltigen Mehrwert für Innsbruck und die Region. Was durch die Weltmeisterschaft 2027 einen wichtigen Impuls erhalten hat, wird langfristig zu einem attraktiven Freizeit- und Sportangebot für unsere Bevölkerung und unsere Gäste. Wir verbinden damit die internationale Strahlkraft des Rodelsports mit regionalem Nutzen, fördern den Nachwuchs und stärken gleichzeitig die touristische Attraktivität von Igls und Innsbruck. Das Wichtigste: Die Bahn wird auch nach der WM ein Gewinn für die Menschen vor Ort sein.“
Einars Fogelis, Präsident des Internationalen Rodelverbandes (FIL),lobte Innsbruck/Igls im Rahmen der Pressekonferenz als verlässlichen Partner und unterstrich die große Bedeutung dieser Premiere für den internationalen Rodelsport. „Es ist kein Zufall, dass wir so gerne nach Tirol kommen: Die Kompetenz der Organisatoren, die Infrastruktur und das Publikum machen Innsbruck-Igls zu einem der besten Austragungsorte unseres Sports überhaupt“, so der Lette, seit 2020 Präsident der Fédération Internationale de Luge. „Die Alpine Luge WM findet zum Teil auf einer Strecke statt, die 1964 olympische Geschichte geschrieben hat — die Kunstbahn WM auf der Bahn von 1976. Das ist gelebte Legacy“, führte Fogelis weiter aus. Rodel Austria-Präsident Markus Prock, der die Vereinigung beider Rodel-Genres im Rahmen einer gemeinsamen Weltmeisterschaft als Initiator wesentlich vorantrieb, sprach von einer Herzensangelegenheit. „Wir sind sehr glücklich und stolz, dass wir diese Doppel-WM umsetzen können, hier haben die Politik und Wirtschaft einen ganz wesentlichen Beitrag geleistet“, so der Tiroler,der als Gastgeber glänzen möchte, ohne bei der Medaillenvergabe Geschenke zu verteilen. „Wir haben die Qualität und den Anspruch in jeder einzelnen Disziplin, um eine Medaille mitzufahren. Wenn uns alles aufgeht, wird es mit Sicherheit eine sehr erfolgreiche Weltmeisterschaft“, so Prock, der in seiner aktiven Karriere an zwei Heim-Weltmeisterschaften teilgenommen, in Innsbruck 1987 Gold und zehn Jahre später Silber gewonnen hat. „Die WM 1987 war das emotionalste Rennen meiner gesamten Karriere. Im Auslauf hatte alle Tränen in den Augen, das vergisst man nie.“
REGION IM RAMPENLICHT
Mit der Doppel-WM 2027 rückt neben der neuen Alpin Rodelbahn auch der modifizierte Igler Eiskanal in den Fokus. Das untere Streckendrittel präsentiert sich zur Gänze neu gestaltet, dazu wurde hinsichtlich Infrastruktur nachgeschärft, unter anderem ein neues Zielhaus im Kreisel errichtet.
„Der Stein, der uns nach der erfolgreichen Pre-Homologierung vom Herzen gefallen ist, war schon sehr groß. Es haben alle beteiligten Gewerke an einem Strang gezogen und den Umbau in einem kurzen Zeitfenster möglich gemacht. Jetzt funktioniert die Bahn wieder für alle Kufen-Sportarten“, so Matthias Schipflinger, Geschäftsführer der Olympiaworld. Karin Seiler, Geschäftsführerin der Tirol Werbung, hob speziell die Medialisierung des Rodelsports positiv hervor. „Kunstbahnrodeln erfreut sich insbesondere in Deutschland, unserem wichtigsten touristischen Herkunftsmarkt, hoher medialer Aufmerksamkeit.Die Weltmeisterschaften stärken damit die Marke Tirol und festigen mit dieser Premiere unsere Position als Sportland“, betonteSeiler.Für Peter Paul Mölk, Obmann Innsbruck Tourismus, ist „der Eiskanal weit mehr als eine international renommierte Sportstätte – er ist ein wichtiger Motor für den Tourismus in der Region Innsbruck. Die Doppel-WM bietet die Chance, unsere Region weltweit ins Rampenlicht zu rücken und unmittelbare Wertschöpfung für unsere Betriebe zu schaffen. Gleichzeitig zeigt die neue Alpinrodelbahn, wie historische olympische Infrastruktur durch innovative Konzepte langfristig genutzt und für Einheimische wie Gäste erlebbar gemacht werden kann.“
